Wirtschaft und Finanzen

Die Rede zum Haushalt 2026
von unserer Bürgermeisterkandidatin Gesche Wittkowski

vom 12. März 2026


Herr Ratsvorsitzender,
Herr Bürgermeister,
sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Varelerinnen und Vareler,

Vorab möchte ich die Kämmerei und, stellvertretend für alle Kolleginnen und Kollegen, Herrn Neumann besonders loben – überhaupt ganz herzlichen Dank für die Lieferung der Zahlen und die geduldige und schnelle Beantwortung aller Fragen!

Der vorliegende Haushaltsentwurf macht wieder einmal deutlich, dass die Mehrheitsgruppe aus SPD und CDU es in den letzten Jahren versäumt hat, grundlegende Probleme anzugehen.

Ja, für dieses Jahr sieht der Haushalt einigermaßen ausgeglichen aus. Das liegt aber keineswegs daran, dass so gut gewirtschaftet wurde oder dass mal so richtig gespart wurde, nein, es ist dem Gewerbe und den ungewöhnlich hohen Gewerbesteuernachzahlungen der letzten Jahre zu verdanken. Und wenn man sich das Ganze mal näher anguckt, dann stellt man fest, dass diese vermeintlich entspannte Situation für 2026, nicht aber für die Folgejahre gilt, wie die Finanzplanung zeigt. Das strukturelle Defizit ist nach wie vor Realität. Zudem sind eigentlich wichtige Posten nicht veranschlagt, tauchen gar nicht erst auf.

Dabei gibt es dringenden Handlungsbedarf: Teile des Waldstadions werden seitens der Stadt dem Verfall preisgegeben, so dass z.B. die Sportlerinnen und Sportler mittlerweile kaum mehr funktionierende Duschen haben. Wohlgemerkt: Das Waldstadion wird noch immer intensiv genutzt. Wer als Verantwortlicher die Zustände mit eigenen Augen gesehen hat, muss sich im Grunde ehrlich fragen, wie hier mit dem Ehrenamt umgegangen wird.
Wir haben einen Vorschlag gemacht: Bereitstellung von 200.000 Euro für die Sanierung des Sanitärgebäudes am Waldstadion. Zur Gegenfinanzierung haben wir die Kürzung von Geldern zum Ankauf von Kompensationsflächen beantragt, da derzeit überhaupt nicht absehbar ist, ob, wann und in welchem Umfang Kompensationsflächen benötigt werden.
Wir hätten die Situation für die Sportlerinnen und Sportler kurzfristig deutlich verbessern können. Aber: Unser Antrag wurde abgelehnt!

Ganz ähnlich sieht es mit dem TIVOLI aus. Liebe Mehrheitsgruppe, sehr geehrter Herr Bürgermeister, was haben Sie vor Beginn der Wahlperiode nicht alles versprochen: Lösungen für das TIVOLI. Sie wollten - wieder einmal - den Bürger „mitnehmen“ - wohin eigentlich? Und was ist davon geblieben? Einen mit großem Tamtam aufgezogenen Bürgerrat mitsamt seinen Empfehlungen haben Sie gegen die Wand fahren lassen. Sie haben nichts, wirklich rein gar nichts in Sachen TIVOLI unternommen. Das Gebäude gammelt langsam, aber stetig vor sich hin. Und Sie wissen genau, was das mittelfristig bedeutet: Die beiden größten Kulturvereine und zahlreiche kleinere ebenso, verlieren ihre Proben- und ihre Aufführungsstätte. Wer sich damit beschäftigt, erkennt doch: Es gibt keinerlei angemessene Ausweichmöglichkeiten... der Karneval in Varel und das niederdeutsche Theater würden unter einer Schließung in hohem Maße leiden.
ZUKUNFT VAREL hat beantragt, in diesem Jahr 50.000 Euro bereitzustellen, um ein Konzept für die Sanierung und Ertüchtigung des TIVOLIS erarbeiten zu können. Wir haben vorgeschlagen, dafür Haushaltsreste des vergangenen Jahres zu nutzen. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt!

Das waren zwei Beispiele von dem, was Sie nicht machen.
Ja, was machen Sie denn überhaupt? – fragt man sich.
Anstatt zu erhalten, was da ist - was ja ein Ausdruck von Nachhaltigkeit wäre - geben Sie das Geld für nicht notwendige Projekte aus: Ein Fahrradparkhaus hier, noch eine Erweiterung des Sportparks da und eine Veranstaltungsfläche, für die man - im Gegensatz zum TIVOLI - noch keine Veranstaltungen hat. Also außer dem Pferdemarkt und etwas Bikepolo-Training. Und das Ganze ohne jegliche Rücksicht auf die Folgekosten. Beim Sportpark sind wir doch schon böse aufgewacht und ja, ZUKUNFT VAREL hat die Entscheidung damals mitgetragen. Aber der Sportpark kostet uns jedes Jahr ca. 450.000 Euro! Da sollten wir uns doch fragen, ob das tatsächlich die richtige Entscheidung war oder zumindest hinterfragen, wie viele solcher Entscheidungen wir uns noch leisten können. Folgekosten Fahrradparkhaus? Angeblich unbekannt. Folgekosten Veranstaltungsfläche? Angeblich unbekannt.

Was machen Sie noch?
Ich will nicht wieder ausführlich über die Stelle des Pressesprechers reden. Aber ein Hinweis sei mir gestattet: Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass der Pressesprecher mittlerweile bei allen etwas heikleren Themen für seinen Chef in die Bresche springen muss? Ob Ganztagsschule, Schottergärten oder Probleme beim Winterdienst: Wann immer Haltung und Verantwortung gefragt wäre – und ja, genau das erwartet der Bürger! - antwortet nicht der Bürgermeister, sondern der Pressesprecher auf die Fragen der Zeitung. Ob das allerdings gut 70.000 Euro Steuergeld pro Jahr wert ist... Zweifel scheinen hier zumindest angebracht.

Die Folgen Ihres letzten Streichs bekommen wir ja erst noch zu spüren: Ihre Entscheidung, den ersten Stadtrat neu zu besetzen – man könnte auch sagen, den bisherigen Amtsinhaber in unwürdiger Weise abzuwählen, ist ebenfalls mit beträchtlichen Folgekosten verbunden: Dieser Schachzug kostet unsere Stadt in den nächsten 8 Jahren rund eine halbe Million Euro. Uns liegen jetzt Zahlen vor, die durch die Neustrukturierung jährliche Einsparungen von circa 90.000 Euro ausweisen. Dazu möchte ich anmerken, dass diese Umstrukturierungen auch ohne neuen ersten Stadtrat möglich gewesen wären. Die Einsparungen wären ohne diese Personalentscheidung sogar noch deutlich höher ausgefallen!
Und das passt ins Bild: In den letzten 10 Jahren ist der Verwaltungsapparat um 45% gewachsen und mit dem Stellenzuwachs natürlich auch die Ausgaben. Die von Ihnen viel gepriesene Digitalisierung sollte ja Einspareffekte nach sich ziehen. Davon ist aber weit und breit nichts zu sehen. Im Gegenteil: Die technische Infrastruktur, die für viel Geld angeschafft wird, braucht wiederum Stellen, die das Ganze betreuen. An dieser Stelle muss man den Bürgerinnen und Bürgern auch sagen, dass es in den Reihen der SPD Bestrebungen gibt, Ratssitzungen künftig „hybrid“ stattfinden zu lassen. Dazu gab es erste Gespräche und die Kosten, die da aufgerufen wurden, lassen einen mit den Ohren schlackern. In diesem Haushalt ist davon glücklicherweise noch keine Rede und wir werden dafür sorgen, dass dieses Thema auch in Zukunft da bleibt, wo es hingehört: In der digitalen Mottenkiste.
Sie schaffen es allerdings, diese unkluge Ausgabenpolitik durch mindestens ebenso unkluge Entscheidungen hinsichtlich der städtischen Einnahmen zu übertreffen: Es war schon schwierig genug, dem Bürger zu erklären, warum die Stadt Varel die Pricke gekauft hat, die Summe, die zutreffenderweise kolportiert wurde, sorgte, wenn nicht für Argwohn, so zumindest für Stirnrunzeln. Jetzt stellt sich aber heraus, dass die Erträge durch die Verpachtung nicht etwa höher, sondern circa 40.000 Euro NIEDRIGER ausfallen. Ich bin gespannt, wie Sie das dem Bürger gegenüber als wirtschaftlichen Erfolg verkaufen werden. Den Hinweis, dass es ein günstigeres, ein wirtschaftlich vernünftigeres Angebot gab, kann ich Ihnen heute wie damals nicht ersparen.

Was hätte man eigentlich tun sollen?
Vielleicht hätte man sich in der Mehrheitsgruppe und im Umfeld des Bürgermeisters mal an die eigenen Wahlversprechen erinnern sollen – Herr Wagner, in Ihrem Wahlprogramm von 2021 schreiben Sie „Meine weiteren Ziele – Wohnungsbau und Gewerbeansiedlungen weiter intensivieren“. Ja, im Hinblick auf den Wohnungsbau ist ein bisschen was passiert – wenn auch viel zu spät. Doch auch hier haben wir es mit einem Defizit von circa 50.000 Euro zu tun. Unsere Fraktion war im Übrigen gegen die Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft. Nicht weil wir gegen kommunalen Wohnungsbau wären, sondern weil es auf Ebene des Landkreises bereits eine Wohnungsbaugesellschaft gibt, an der die Stadt Varel sogar Anteile hält: Auch hier hätten unnötige Ausgaben für unnötige Doppelstrukturen durch kluge Zusammenarbeit vermieden werden können.

Aber Gewerbeansiedlungen? Da ist Ihre Bilanz nun wirklich mehr als negativ. Ich erinnere noch einmal daran: Wir haben vorgeschlagen, den Hubschrauberlandeplatz für kleine Gewerbebetriebe zur Verfügung zu stellen. Nun ja, Sie müssen Ihre Prioritäten selbst setzen – aber mit Ehrlichkeit gegenüber dem Wähler hat das wenig zu tun.
Die gesamte Wirtschaftsförderung – so wie Sie sie betreiben - ist plan - und wirkungslos: Sie dient allerhöchstens als wirtschaftspolitisches Feigenblatt.

In aller Deutlichkeit: Bundesweit steckt die Wirtschaft in der Krise, und vielleicht sind wir demnächst alle miteinander damit beschäftigt, Unternehmen hier noch irgendwie zu halten. Bis dahin müssen wir aber darüber reden, wie wir die Betriebe schon jetzt entlasten, damit sie Reserven für noch schwierigere Zeiten aufbauen können: Wir müssen in die Lage kommen, mittelfristig die Gewerbesteuer auf einen Hebesatz von 400 zu senken. Dazu muss man wissen, dass die Unternehmer die Gewerbesteuer bis zu einem Hebesatz von 400 von ihrer Einkommensteuer absetzen können. Der Gesetzgeber will so eine Doppelbelastung vermeiden. Die von der Mehrheitsgruppe beschlossene Erhöhung auf 450 Punkte führt aber eben genau zu dieser Doppelbelastung unserer Gewerbetreibenden. Das geht nicht. Wir müssen endlich alles daran setzen, dass Unternehmen sich erweitern können und dass sich neue Unternehmen hier ansiedeln. 

Wie wichtig sinnvolle Maßnahmen sind, zeigt ein Blick in die Zukunft: Die richtig großen Brocken warten noch auf uns. Ein großer Brocken dürfte das Hallenbad werden, aber auch an die Feuerwehren müssen wir unbedingt denken. Wissen Sie, liebe Kollegen von der SPD, ich habe gestaunt: In dieser Amtszeit haben Sie jeden noch so kleinen Vorschlag von uns zu verhindern gesucht – stets mit dem Argument, das sei nicht bezahlbar. Ich erinnere an die von uns vorgeschlagene Kinderarztprämie, die Sie eigentlich gar nicht wollten und dann aber so heruntergekürzt haben, dass wir als Stadt im Vergleich zu anderen Kommunen und deren Anwerbeprämien schon fast lächerlich dastehen. 30.000 Euro standen im Raum. 10.000 haben Sie beschlossen. Oder die Verlängerung des Jugendbadepasses: Eigentlich nur die Verlängerung der Gültigkeitsdauer von Gutscheinen. DA war Ihnen das Sparen wichtig. Aber als ich neulich gelesen habe, dass in einer öffentlichen Diskussion ein Mitglied des erweiterten Vorstands der Vareler SPD ernsthaft anfing von einem Erlebnisbad als Neubaualternative zum Hallenbad zu träumen... da musste ich mir vor Ungläubigkeit die Augen reiben. Nein, liebe SPD, Sie haben es offenkundig noch immer nicht begriffen: Die Zeiten Ihrer Denkmäler sind vorbei. Wir können heilfroh sein, wenn wir den jetzigen Standard irgendwie halten können.
Dafür bedarf es zweier Dinge: Endlich sinnvolle Investitionen, auch in bestehende Strukturen, und zugleich effektive Maßnahmen zur Konsolidierung unseres Haushalts.
Wenn wir das nicht aus eigener Kraft schaffen, dann machen das andere für uns. Dann droht ein Haushaltssicherungskonzept, das uns in der Entscheidungsfreiheit massiv einschränken wird.
Wir wollen das verhindern. Und deswegen lehnt ZUKUNFT VAREL den vorliegenden Haushalt in aller Deutlichkeit ab.


Pressemitteilung vom 4. März 2026

Warum ZUKUNFT VAREL sich dem vorgelegten Haushaltsentwurf nicht anschließen wird

In der Debatte um den Haushalt 2026 äußert die Wählergemeinschaft ZUKUNFT VAREL deutliche Kritik und stellt klar: Die Stadt Varel benötigt einen soliden Haushalt, mit Investitionen in die Daseinsvorsorge und die kommunale Infrastruktur. Was die Stadt Varel nicht benötigt, sind unklare Haushaltsausgaben, Prestigeprojekte und eine immer größere Verwaltungsspitze.

„In den letzten 10 Jahren hat die Anzahl der Beschäftigten um rund 45 % allein in der allgemeinen Verwaltung zugenommen. Für 2026 ist auch in diesem Bereich die Schaffung weiterer Stellen geplant“, so Gloria Thimm, Mitglied von Zukunft Varel. „In Zeiten steigender Sozialausgaben und immer weiterer Aufgaben, die auf die kommunale Ebene verlagert werden, müssen Prozesse in der Verwaltung effizienter gestaltet werden. Man kann nicht immer neue Stellen schaffen, die dann auf Jahrzehnte den Haushalt und die Vareler Bürgerinnen und Bürger belasten.“

„Sinnvolle Investitionen in die Zukunft von Varel werde ich immer unterstützen“, so Bürgermeisterkandidatin Gesche Wittkowski. Der Haushaltsentwurf für das Jahr 2026 zeige hingegen symptomatisch, wovor die Wählergemeinschaft bereits in den vergangenen Jahren gewarnt habe: „Wir sehen uns Folgekosten für Projekte ausgesetzt, die in erster Linie reines Prestige sind, so etwa das Fahrradparkhaus oder eine Veranstaltungsfläche, deren Kosten noch gar nicht absehbar sind.“ Die Wählergemeinschaft fordert notwendige Investitionen in das Waldstadion und in das TIVOLI und hat dafür in der letzten Sitzung des Finanzausschusses konkrete Finanzierungsvorschläge gemacht. „Wir haben die Sanierung der völlig maroden Duschen im Stadion und ein lange überfälliges Konzept für das TIVOLI beantragt. Damit noch länger zu warten, ist nicht hinnehmbar“, so Wittkowski.

Ratsherr Alfred Müller begründet die Ablehnung: „Insgesamt wird der Haushalt nicht dem Grundsatz von Haushaltswahrheit und -klarheit gerecht. Dafür gibt es zu viele unklare Posten, Überreste und unnötige Ausgaben. Das machen wir nicht mit.“

Unsere Arbeit ist unsere Leidenschaft und ein positiver Antrieb für jeden neuen Tag. Sie bringt uns dazu, Herausforderung als Chance zu verstehen und neue Ziele zu erreichen.

Unser Antrag zur Überprüfung der Gewerbesteuer.

 Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wagner, 

die Fraktion ZUKUNFT VAREL beantragt, dass im Rahmen der nächsten Haushaltssitzung auch über eine Ermäßigung der Gewerbesteuer beraten wird. 
Begründung 
Der alljährlich wiederkehrende Haushaltsüberschuss hat sehr deutlich gemacht, dass die voreilige Erhöhung der Grundsteuer A und B zu hoch und vielleicht sogar vollkommen überflüssig war. Die im letzten Finanzausschuss angedachte Reduzierung ist, weil der gesamte Rat dafür im Wort, nur folgerichtig steht und auch von ZUKUNFT VAREL wird beantragt und ausdrücklich gefordert. 
Es ist angesichts des Haushaltsüberschusses von 5,3 Millionen €uro dann nur folgerichtig, dass auch auf die Notwendigkeit der vorgenommenen Erhöhung der Gewerbesteuer geschaut wird. 
Unsere Gewerbebetriebe sind die Herzkammer des Vareler Haushalts. Zu hohe Gewerbssteuersätze können für Betriebsverlagerungen in andere Kommunen sorgen und erschweren zudem die Anwerbung neuer Betriebe. 
Wir bitten daher um Prüfung. 
Weiter möchte ZV ein absolutes Unverständnis darüber aussprechen, dass im Vorfeld der letzten Finanzausschusssitzung die Mehrheitsgruppe über die Veränderungen im Haushalt bereits im Rahmen einer Sitzung in Kenntnis gesetzt worden ist (Aussage von Ratsherrn Eilers) und somit bereits informiert und vorbereitet war.
Die Kritik darüber, dass die neuen Haushaltszahlen nicht vorab den anderen Gruppen im Rat zugänglich gemacht worden sind, ist mehr als berechtigt. 
Eine kommunale Verwaltung sollte neutral sein und alle Parteien und Gruppen fair behandeln und keine Gruppen vorziehen. 
Dies war bei August Osterloh, Hans Fabian und Wolfgang Busch eine Selbstverständlichkeit. 

Mit freundlichen Grüßen 

Alfred Müller 

Die Rede unseres Ratsherrn Axel Neugebauer 
zur Haushaltsberatung im Rat der Stadt Varel 
am 27. Februar 2025 


„ Herr Vorsitzender, Herr Bürgermeister, sehr geehrte Ratsmitglieder, sehr geehrte Gäste, sehr geehrte Angehörige der Verwaltung! 

Zunächst möchte ich mich bei Herrn Neumann und seinen Kolleginnen und Kollegen der Kämmerei bedanken für den Entwurf und die geduldige Präsentation und Beantwortung der Fragen. Vielen Dank an sie und ihr Team! 

Wie schon der letzte Haushalt lässt auch dieser Haushalt der Mehrheitsgruppe für die kommenden Jahre nichts Gutes erahnen. Das strukturelle Defizit ist Realität. Nun wir kennen dieses Defizit jetzt schon seit gut 25 Jahren. Wir reden darüber genauso lang und es ist uns bis jetzt nichts gelungen, um es zu reduzieren. Die Ausgaben sprudeln munter weiter. Die Einnahmenseite wird nicht nachhaltig verbessert. Aber was habe ich da gerade gesagt? Haushalt der Mehrheitsgruppe? Das ist doch der originale Haushalt der Verwaltung. Ohne Prioritäten Ihrerseits. Dann hätte ja auch der Bürgermeister oder noch besser der Kämmerer die Rede zum Haushalt halten können. 

Nun gut! Was ist dieses Jahr anders als letztes Jahr? Vor allem zwei Dinge: 

1. Die Kreisumlage: Letztes Jahr konnte – nein musste – man sie mit Recht kritisieren. Mit über 20 Mio., fast ein Drittel unseres Gesamthaushaltes, ist sie immer noch viel zu hoch – aber angesichts der Finanzlage des Kreises, begründet mit fehlender finanzieller Ausstattung der von Bund und Land übertragenen Aufgaben und dem Millionendefizit bei den Frieslandkliniken, müssen wir diese Kröte dieses und die nächsten Jahre schlucken. Da kommt noch was auf uns und die Bürgerinnen und Bürger zu. 

2. Nun, letztes Jahr hatten wir gut ein halbes Jahr Zeit bei der Haushaltsaufstellung – dieses Jahr ging es recht zackig. So zackig, dass man keinen vernünftigen Austausch, keine Diskussion im Rat über die Finanzen hatte. Wir hatten mit den Grünen zusammen am 18. Februar die Vorstellung des Haushalts. Finanzausschuss war jetzt am Montag, Verwaltungsausschuss vor 2 Stunden und jetzt ist schon Ratssitzung. Sehr schnell – konstruktive Einbeziehung der Opposition stelle ich mir anders vor. Vorschläge und Ideen, mit denen man sich auseinandersetzen kann, sind wohl nicht gewollt. Sie haben eben kein Interesse an einer konstruktiven Beteiligung unsererseits gehabt. 

Kommen wir zu Ihrem Haushalt. Vorab: Besondere Ambitionen, eine wie auch immer geartete Verbesserung des strukturellen Defizits zu erreichen, können selbst bei größtem Wohlwollen einfach nicht gefunden werden. Brauchen wir ein Veranstaltungsgelände im Kasernenbereich? Wir sind, auch wenn wir Mittel aus Stadtumbau West erhalten, mit einem Drittel dabei. Wie hoch sind die Folgekosten? 

Überhaupt: Folgekosten! Ein Punkt, der sehr stiefmütterlich behandelt wird. Sie laufen uns weg. Beispiel Sportpark: Geplant, wenn ich mich recht erinnere, waren 350.000 €. 465.000 € dann letztes Jahr. Dieses Jahr über 480.000 €. Dass dann noch ein kleiner Sport- oder Bolzplatz für 50.000 € dazu kommt – weitere Folgekosten? Letztes Jahr haben wir gefragt: Welche Folgekosten kommen auf uns zu, wenn wir den Güterschuppen beim Bahnhof übernehmen? Wirtschaftlichkeitsberechnung mit Unterhaltungskosten immer noch unbekannt. 

Im Haushalt stehen Millionen für energetische Sanierungen. Damit wir uns richtig verstehen: Auch wir halten solche Maßnahmen für sinnvoll – wenn sie sich rechnen. Wir haben bis heute keine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Können wir uns das dann in Zeiten leerer Kassen leisten? Wenn es sich nicht rechnet, dann ist es ein Stück Luxus. Wir haben dieses Fehlen bereits im letzten Jahr kritisiert, passiert ist nichts…. Also, warum nehmen wir diese Position nicht raus? Wenn es akut wird, können wir immer einen Nachtragshaushalt beschließen. Wir sind dann dabei. 

Ein Posten springt mir noch besonders ins Auge! Im Haushalt für 2024 stehen 500.000 € für den Ankauf von Gewerbeflächen. Weil keine Flächen erworben wurden, werden die 500.000 in ‘25 mit rüber genommen. Das ist ja auch vernünftig. Aber es zeigt ganz deutlich einen schlimmen Umstand für Varel auf: Wir haben keine Gewerbeflächen mehr und schaffen es auch nicht, welche anzukaufen. Die Gemeinden um uns herum, Bockhorn, Jade – Rastede sowieso, sind da anders aufgestellt. Gewerbe bedeutet Steuereinnahmen. Mehr Einnahmen bedeuten eine Reduzierung des strukturellen Defizits. Wir geben für die Wirtschaftsförderung fast eine halbe Million Euro im Jahr aus. Für was? 

Als nächstes kommen wir zum Personal. Ja – wir haben große Zuwächse durch die Kitas, auch im Seniorenstift durch die Demenzabteilung, und im Bauhof. Die, und das ist uns wichtig, sollen hier überhaupt nicht in Rede stehen. Aber wir haben auch einen unglaublichen Zuwachs in den letzten Jahren in der Verwaltung. 44 %! Ja, zum Teil auch dem Umstand geschuldet, dass Aufgaben durch Bund und Land dazu gekommen sind und mehr Personal auch etwas mehr Arbeit macht, nur – ich weiß, es ist ein ewiges Thema von uns und exemplarisch gemeint – brauchen wir einen Pressesprecher? Benötigen wir eine wenig effektive Wirtschaftsförderung? Wir geben für die Digitalisierung seit Jahren sehr viel Geld aus. Es war immer die sehr vage Aussage damit verbunden, dass dadurch auch Arbeitsplätze rationeller gestaltet und Kräfte für andere Aufgaben freigesetzt werden, sodass Stellen auch mal eingespart werden können. Das Gegenteil ist der Fall… 


Apropos Digitalisierung: Erlauben sie mir einen kleinen Exkurs: 

Im Haushalt ‘25 sind für Digitalisierung an Grundschulen insgesamt 275.800 € eingeplant: Der allergrößte Teil davon sind Tablets: Ersatzgeräte und neue Klassensätze für Schüler, allein in diesem Jahr über 170.000€. Geräte, die nach spätestens fünf Jahren veraltet sind und ausgetauscht werden müssen. Wenn sie denn so lange durchhalten. Also noch mal das Wort Folgekosten. Über Nachhaltigkeit, über Risiken und Abhängigkeiten von Konzernen möchte ich an dieser Stelle gar nicht sprechen. 

Nächstes Thema: Eine besorgniserregende Zahl: 17 Millionen. Wir haben über 17 Mio. Haushaltsreste. Wir halten das für unerträglich. Da sind – in Anführungsstrichen – fast jedes Jahr Millionen im zweistelligen Betrag übrig. Aber: Für das Tivoli hat man kein Geld. Das lässt man mit dem Sportplatz an der Windallee immer weiter verkommen, um es dann irgendwann zu verkaufen. Das sind allerdings Einrichtungen, die Varel immer noch benötigt: für Veranstaltungen und mindestens für Schulsport … Wir müssen unbedingt über die Beschlüsse, die zu diesen Haushaltsresten geführt haben, reden. Reden darüber, was wir uns davon noch leisten können und was nicht. 

Stichwort Kindergärten und Kitas in Varel. Ich freue mich, dass wir diese Plätze haben und ein gutes und ausreichendes Angebot für die jungen Familien machen können. Wir zahlen jedes Jahr Millionen dazu. Bund und Länder machen Gesetze und die Städte und Gemeinden zahlen. Tendenz steigend. Der Zuschuss vom Landkreis reicht aber bei Weitem nicht aus. Ein nach Einkommen gestaffeltes Nutzungsentgelt dürfen wir nicht nehmen. Das heißt, ein gut verdienendes Ehepaar, Betonung liegt auf gut verdienend, bekommt den Kindergartenplatz zum Nulltarif. Das wird dann von vielen Steuerzahlern mitfinanziert, denen es finanziell längst nicht so gut geht. Die Schere immer weiter auseinander. Und das ist erstens nicht sozial und zweitens kostet es die Stadt Varel über 4 Millionen Euro Zuschuss im Jahr. 

Und jetzt wird es richtig gruselig: Die Entwicklung der Gesamtverschuldung in den nächsten Jahren.

Schuldenstand 2025: 18.463.700€ 

2026: 22.914.500 € 

2027: 37.823.500 € 

2028: 46.761.700 € 

Dabei sind die großen Brocken wie Hallenbad oder Tivoli noch nicht enthalten. Es ist klar, dass ein großer Teil dieser unmöglichen Haushaltslage nicht allein der Mehrheitsgruppe geschuldet ist. Auch dieser Rat in seiner Gesamtheit kann Gesetzen, die von Bund und Land gemacht werden und uns zu Leistungen verpflichten und damit immer stärker ins Defizit treiben, nicht gegensteuern und die schwarze Null schaffen. Aber wo sind unsere Bundes- und Landtagsabgeordneten? Hier vermissen wir das sichtbare Engagement. Eine Ausgleichszahlung für weggefallene Betten im Krankenhaus den Bürgerinnen und Bürgern als Förderung zu verkaufen, ist nicht die Unterstützung, die wir da Oben benötigen. 

Wir vermissen bei der Mehrheitsgruppe den entschlossenen Willen zur Konsolidierung. Stattdessen werden Dinge in Angriff genommen, die weitere hinterher Folgekosten verursachen. Sie verschlimmern damit kontinuierlich das strukturelle Defizit. Ein strukturelles Defizit könnte man auch durch die Ansiedlung neuer Firmen in ausgewiesenen Gewerbegebieten, Stichwort Gewerbesteuer, reduzieren – Ihrerseits Untätigkeit oder Versagen. Suchen sie sich den Grund dafür aus. Andere Gemeinden um uns herum haben da mehr drauf. Varel hat eine außergewöhnlich gute Verkehrslage. Wir machen nichts daraus. Ja – es ist nicht leicht mit dem einen oder anderen zu verhandeln. Aber hier liegt der Schlüssel, wenn wir uns strukturell verbessern wollen. Ein großer Teil unserer Haushaltsschwierigkeiten, Kita-Finanzierung, Umbau der Grundschulen zu Ganztagsschulen, Neubau von Feuerwehrhäusern, wird uns von außen und ohne ausreichende Gegenfinanzierung vorgegeben. Aber: Meine Damen und Herren von der Mehrheitsgruppe. Sie unternehmen nichts zur Verringerung des strukturellen Defizits. Im Gegenteil, es wird von ihnen noch befeuert. Deshalb lehnen ZUKUNFT Varel und KLARE KANTE den Haushalt ab!"

Pressemitteilung zur Berichterstattung in der NWZ 

vom 20. Februar 2025. „Lekenweg“

Die Notwendigkeit des Ausbaus des Lekenweges an der Südender Leke wird von ZUKUNFT VAREL nicht so unkritisch gesehen, wie es die Berichterstattung der Stadt hergibt.
Der Lekenweg war über viele Jahrzehnte ein Weg der von Fußgängern und Radfahrern problemlos genutzt wurde. Zwar etwas schmal – aber es ist dort nie zu irgendwelchen Zwischenfällen gekommen.
Der jetzige Ausbau ist sicher eine Verbesserung für die Nutzer. 
Aber!
Die Frage nach der Notwendigkeit muss gestellt werden. Es gibt wieder mal Fördermittel. Die gesamte Maßnahme kostet dem Steuerzahler über 
300.000 €. Die Stadt Varel hat einen Eigenanteil von fast 80.000 €. Die Folgekosten für die Unterhaltung dürften künftig, weil jetzt auch noch Beleuchtung dazu kommt, deutlich höher sein, als die bisherigen Unterhaltungskosten des alten Lekenweges durch die Mitarbeiter des Bauhofes. Mit Blick auf die prekäre Haushaltslage hätte diese Maßnahme gestrichen werden müssen. 
Karl-Heinz Funke: „Eine Stadt kann auch an den Förderprojekten arm werden. Sportpark fast eine halbe Million Unterhaltungskosten jährlich, Güterschuppen Folgekosten unbekannt, Lekenweg – so kann es nicht mehr weitergehen.“

 

Pressemitteilung vom 25. September 2024

Zu den Ausführungen von Bürgermeister Wagner zum Thema Haushalt 


Die Ausführungen des Bürgermeisters lassen jede Selbstkritik und jeden Willen zum Sparen vermissen. So werden die Steuererhöhungen etwa mit gestiegenen Personalkosten durch Tariferhöhungen begründet. „Gleichzeitig hört man aber kein Wort darüber, dass Bürgermeister und Mehrheitsgruppe den städtischen Personalkörper, beispielsweise mit einem aus unserer Sicht verzichtbaren Pressesprecher, immer weiter aufblähen“, so die Fraktion. Außerdem kritisiert ZUKUNFT VAREL wiederholt die drastische Erhöhung der Kreisumlage.„Die Mehrheitsgruppe hat entschieden, keinen Widerspruch gegen die Erhöhung der Kreisumlage einzulegen. Anscheinend war der politische Frieden mit dem Kreis wichtiger als die Handlungsfähigkeit vor Ort. Wir haben damals beantragt, uns an die Seite der Gemeinde Bockhorn zu stellen und der Höhe der Kreisumlage zu widersprechen. Die Mehrheitsgruppe im Stadtrat, unterstützt von Grünen und FDP – die wiederum beide Teil der Mehrheitsgruppe im Kreistag sind! - wollte das schlicht nicht“, so Ratsherr Alfred Müller. Karl-Heinz Funke kritisiert erneut die nachträgliche Gewerbesteuererhöhung und die Fremdenverkehrsabgabe: „Der Bürgermeister und seine Stabsstelle Wirtschaftsförderung haben es versäumt, im Vorfeld der Haushaltsdebatte mit den ansässigen Unternehmern zu sprechen. Von ersteren hätten die Gespräche ausgehen müssen und nicht von jenen, deren Geld man haben will. Die Doppelbelastung der Unternehmer durch die Fremdenverkehrsabgabe ist selbstverständlich zu hinterfragen, da für die Betroffenen und für uns nicht erkennbar ist, welche Leistungen der Abgabe entgegenstehen.“Die Kritik der Vareler Unternehmer an teuren Prestigeprojekten wie z.B. dem Sportpark, dem Fahrradparkhaus und der geplanten Veranstaltungsfläche ist aus Sicht der Wählergemeinschaft nachvollziehbar. „Wir müssen uns freimachen vom Diktat der Förderkulissen. Nicht Zuschüsse aus Kreis-, Landes- oder Bundestöpfen dürfen unser Handeln bestimmen, sondern die Notwendigkeiten und Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger“, führt Funke weiter aus.„Wo bleibt eigentlich der Einsatz unserer gewählten Vertreter im Land- und Bundestag? Anstatt öffentlichkeitswirksam mit immer neuen Fördergeldern aus Berlin aufzuwarten, sollten diese deutlich machen, dass Land und Bund die Kommunen am ausgestreckten Arm verhungern lassen. Wenn allein der Stadt Varel durch den Wegfall von Mitteln aus dem Finanzausgleich 7 Millionen fehlen, dann kann man dazu doch nicht einfach schweigen“, erklärt Gesche Wittkowski abschließend.

Pressemitteilung vom 3. September 2024 

ZUKUNFT VAREL begrüßt Initiative der Vareler Unternehmen – „Die Wirtschaft ist unser Schicksal“


„‘Die Wirtschaft ist unser Schicksal‘, formulierte einst der große Unternehmer und Politiker der Weimarer Republik, Walter Rathenau. Und Recht hatte er und hat er, wie der damalige Geschichtsverlauf und die heutige politische Lage beweisen“, äußert Karl-Heinz Funke.
Ohne „Wirtschaft“ funktioniert nichts. Unternehmer tätigen – mit der Bereitschaft zum Risiko – Investitionen, schaffen dadurch Arbeitsplätze und zahlen Steuern, u.a. Gewerbesteuer, an die jeweilige Stadt oder Gemeinde, so stellt ZUKUNFT VAREL fest. Darum sei jedes Gemeinwesen gut beraten, stets ein Klima zu schaffen, das unternehmerisch denkende Menschen ermutigt und beflügelt, statt sie zu entmutigen und zu behindern.
Eine nachträglich erhöhte Gewerbesteuer schaffe kein Vertrauen und beseitige die notwendige Planungssicherheit der Unternehmen. Darum begrüßt ZUKUNFT VAREL, dass Vareler Unternehmen ihre Stimme erheben und uns Politikern klar und deutlich ihre Meinung sagen. Das, was die Unternehmer kritisieren (u.a. Aufgabe des Waldstadions, Erhebung einer Fremdenverkehrsabgabe, Einstellung eines Pressesprechers, mangelnde Bürgernähe) deckt sich mit der Meinung der Wählergemeinschaft.
„Wir sollten auf unsere Vareler Unternehmer hören. Man kann und darf Steuererhöhungen – egal, ob Gewerbe- oder Grundsteuern – nur diskutieren, wenn seitens der Stadt Sparmöglichkeiten ausgeschöpft wurden, und das ist nicht geschehen. Wir hatten deshalb gegen die Steuererhöhungen gestimmt und unsere Sparvorschläge gemacht“, so Axel Neugebauer (ZUKUNFT VAREL) abschließend.